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04 | 2024
19/26
© Privat

Sparkasse Bremen:

Hinaus in die weite Welt

Einfach mal über den Tellerrand schauen und sich dabei noch für andere engagieren: Diese Möglichkeit hat Annika Betkowski genutzt und für vier Wochen den Schreibtisch in der Sparkasse Bremen gegen einen Arbeitsplatz im westafrikanischen Ghana eingetauscht.

„Es ist eine tolle Chance, auch um sich weiterzuentwickeln“, erinnert sich die junge Frau. Von einem Kollegen, der bereits in Südamerika war, wusste sie von diesem Angebot. „Ich spreche kein Spanisch, daher habe ich mich für den englischsprachigen Staat entschieden.“ Gut eineinhalb Jahre hat sie sich auf ihren Einsatz vorbereitet, um als Junior Consultant in der ghanaischen Hauptstadt Accra ihre Expertise im Start-up-Bereich einfließen zu lassen. „Das war schon sehr spannend, auch weil ich zuvor noch nie über die Grenzen Europas hinaus gereist war.“

FinTech im Focus

Da Annika Betkowski sich in der Sparkasse Bremen mit Start-ups beschäftigt und diese berät, war dies auch in Ghana ihre Aufgabe. Der Schwerpunkt: Start-ups im FinTech-Bereich, also Unternehmen, die innovative, technologiebasierte Anwendungssysteme rund ums Thema „Finanzen“ anbieten. Vor Ort hat sie viel recherchiert, zahlreiche Teams-Sitzungen, aber auch Termine in den Projekten zur finanziellen Bildung von Kindern und Jugendlichen bestimmten den Tagesablauf. Zumeist ging es aber um die Digitalisierung des Kreditentscheidungsprozesses bei Banken vor Ort. Annika Betkowski sah sich also um, welche finanztechnologischen Start-ups in Westafrika über eine Software diese Prozesse abbilden und damit vor Ort mehr Menschen den Zugang zu Finanzprodukten ermöglichen können. „Mit meiner Recherche konnte ich einen ersten Impuls für weitere Projekte und Maßnahmen in diesem Zusammenhang geben.“ Und sie hat dabei auch einige landestypische Erkenntnisse gewonnen: „Die FinTech-Szene ist sehr rührig. Anders als bei uns in Deutschland sind viele Menschen nicht angestellt, sondern arbeiten als kleine Einzelunternehmer. Sie verkaufen ihre Ernte und andere Produkte. Mikrokredite spielen deshalb eine viel größere Rolle als bei uns“, so Annika Betkowski. Ein weiteres Projekt: die„Saving Games“. Dabei wird unter anderem in Schulen spielerisch Finanzwissen vermittelt, was gerade bei Jugendlichen sehr beliebt ist. „Damit wird der Grundgedanke des Sparens der Sparkassen über die projektbasierte Arbeit vor Ort auch international verbreitet.“

Alltag in Ghana

Gemeinsam mit einer Kollegin aus der Sparkasse Gummersbach wohnte Annika Betkowski in der 250 000-Einwohner-Stadt Accra in einer WG. Kurz vor der Regenzeit, bei fast 30 Grad, machten sie sich täglich an die Arbeit und lernten dabei auch das Land kennen. An vielen Stellen konnte sie große strukturelle Unterschiede feststellen. „Ein gutes Beispiel ist die Verkehrssicherheit, die doch einen großen Unterschied im Standard zu unseren Verkehrsregelungen darstellt. Eine Fahrt durch Accra ist da doch abenteuerlicher, als durch unser schönes Bremen“, so die 28-Jährige, die die Vorzüge ihrer Heimat nun noch mehr zu schätzen weiß. „Es gibt in Deutschland zwar viele Vorgaben, aber letztendlich kommen sie doch dem Allgemeinwohl zugute.“ Besonders überrascht war sie jedoch vom sehr fortschrittlichen Bezahlsystem MoMo, das via SMS funktioniert. „Mobile Money wurde dort schon vor vielen Jahren entwickelt und ist der übliche smarte Weg, ähnlich PayPal, um zu bezahlen. Das fand ich sehr interessant.“

Gewinn auf allen Ebenen

Kein Urlaub und dennoch voller neuer, interessanter Eindrücke:  Der Einblick in einen anderen Kontinent hat sich gelohnt, das weiß Annika Betkowski inzwischen nur zu genau. „Ich habe die Sparkassenarbeit in einem ganz anderen Kontext kennengelernt, auch in anderen Konstellationen und Hierarchien. Es ist spannend zu sehen, wie das Modell in anderen Ländern funktioniert.“ Auch anderen rät sie, diese Möglichkeit eines beruflichen Auslandsaufenthalts zu nutzen und sich dadurch auch weiterzuentwickeln. Für Annika Betkowski steht jedenfalls fest, dass sie garantiert noch einmal nach Ghana reisen wird, dann allerdings ganz privat. Und schon jetzt freut sie sich auf ihr Lieblingsgericht Jollof Rice. „Es ist ein sehr traditionelles Gericht in ganz Westafrika, das immer wieder anders, aber immer sehr scharf zubereitet wird.“


Die Deutsche Sparkassenstiftung

Seit bereits 30 Jahren setzt sich die Deutsche Sparkassenstiftung für internationale Kooperation e.V. (kurz DSIK) weltweit für finanzielle Inklusion ein. Ziel verbunden, Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern (aktuell 55 an der Zahl) Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ermöglichen und damit Perspektiven für einen Weg aus der Armut zu schaffen.


Von Melanie Jülisch