KlimaDiesel
Umweltschonend unterwegs
Apps wie „mehr tanken“ und Co. gehören schon längst zu unserem Alltag. Spätestens seit dem Anstieg der Spritpreise vor einigen Jahren schauen wir noch genauer hin, um das Bestmögliche für unser Geld zu ergattern. Doch es ist nicht immer nur der Preis, den wir im Blick haben sollten – gerne etwas häufiger sollten wir diesen auch in Richtung Nachhaltigkeit schweifen lassen und das Angebot vergleichen. Immerhin gibt es auch beim Kraftstoff fürs Auto eine umweltschonende Alternative: KlimaDiesel. „Es ist der derzeit wohl größte Beitrag in punkto Mobilität, um dem Klimawandel entgegenzutreten“, sagt Ronald Rose, Geschäftsführer der Bremer Mineralölhandel GmbH (BMÖ). „Im Gegensatz zum üblichen Diesel ist HVO100, bis vor kurzem auch als KlimaDiesel90 bezeichnet, zu 90 Prozent klimaneutral“, so Ronald Rose, der sich schon lange für die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte stark macht. Seit Mitte April ist HVO 100 ganz offiziell bundesweit an Tankstellen erhältlich – wenn auch längst noch nicht flächendeckend. Dass ein solches Angebot gerne angenommen wird, zeigt sich in Dänemark und in den Niederlanden, wo der Alternativkraftstoff schon länger angeboten wird. In Bremen gilt die BMÖ quasi als Pionier im Vertrieb dieser Dieselvariante.
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Wer in Bremen und umzu KlimaDiesel (auch als Beimischung zum herkömmlichen Diesel) tanken möchte, dem bietet sich hier bereits an sechs BMÖ-Standorten die Gelegenheit. Ob das Fahrzeug des Kunden für HVO100 geeignet ist, ist im Tankdeckel zu erkennen: Steht neben der Bezeichnung B7 auch XTL, besteht kein Zweifel und HVO kann ohne Bedenken getankt werden.
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CO2 einsparen: Pflanzen statt Mineralöl
Doch was genau verbirgt sich hinter KlimaDiesel HVO100? „Es handelt sich um einen zu 100 Prozent biobasierten, synthetischen Kraftstoff, hergestellt aus Rest- und Abfallstoffen wie benutztem Frittenfett“, so Ronald Rose. Daher gibt es eine bis zu 90-prozentige Reduzierung von CO2-Neuemissionen gegenüber dem klassischen fossilen Diesel. „Es gibt in der Mobilität eigentlich nichts, was so viel CO2 in einem derart kurzen Zeitraum einspart – auch mit E-Mobilität gelingt dies nicht“, so Ronald Rose.
Identische Eigenschaften
Entstanden sind die hydrierten Pflanzenöle (HVO: Hydrotreated Vegetable Oils) durch eine katalytische Reaktion mit Wasserstoff, bei der sie in Kohlenwasserstoffe umgewandelt wurden. Durch diesen Prozess werden die Pflanzenöle in ihren Eigenschaften an fossile Kraftstoffe angepasst, damit sie diese als Beimischung ergänzen oder auch vollständig ersetzen können. Durch die Erfüllung der Norm DIN EN 15940 kann HVO100 in allen Dieselfahrzeugen mit Herstellerfreigabe ohne weitere Anpassungen oder Modifikationen getankt werden. Demnach hat die gleichen Kälteeigenschaften wie herkömmlicher Diesel. Sowohl der AdBlue- als auch der Kraftstoffverbrauch sind identisch.
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Derzeit bezieht BMÖ die Pflanzenöle aus Finnland. Noch sind die benötigten Kraftstoffmengen aber überschaubar: Zum einen, weil noch nicht an allen Tankstellen auch KlimaDiesel aus dem Zapfhahn fließt, zum anderen, weil er preislich über dem fossilen Diesel liegt. „Man muss pro Liter mit etwa 20 Cent mehr rechnen. Das ist ähnlich wie bei Bio-Produkten: Vermutlich wird sich die Nachfrage erst mit der Zeit erhöhen.“ Apropos, es handelt sich bei HVO100 nicht um Biodiesel (früher B100). Zwar wird der Begriff oft synonym verwendet, dennoch gibt es einige grundlegende Unterschiede zwischen beiden Kraftstoffen.
Aus KlimaDiesel90 wird HVO100
Am 3. Februar 2023 fiel mit dem Verkaufsstart von KlimaDiesel90 an der Classic-Tankstelle im niedersächsischen Hoya der Startschuss für eine wegweisende Änderung auf dem Kraftstoffmarkt. Classic-Tankstellen ist Mitglied im mittelständischen Konsortium Klima Kraftstoffe GmbH und war die erste Station, an der das HV0100-Produkt (Hydrotreated Vegetable Oils) unter dem damaligen Markennamen KlimaDiesel90 verkauft wurde – allerdings nur an einen geschlossenen Nutzerkreis. Denn zu diesem Zeitpunkt war der Kraftstoff noch nicht für den freien Verkauf an öffentlichen Tankstellen zugelassen. Das hat sich kürzlich geändert: Durch die im März 2024 beschlossene Integration der Dieselkraftstoffnorm DIN EN 15940 in die 10. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (10. BImSchV) ist der freie Verkauf von HVO100 seit dem 29. Mai 2024 ohne Einschränkungen möglich. Im Zuge der Zulassung hat das Konsortium das HVO-Produkt von KlimaDiesel90 auf KlimaDiesel HVO100 geändert. So erkennen die Verbraucher auf einen Blick, dass es sich hierbei um die Reinform der nicht fossilen Dieselalternative handelt.
Kein Palmöl und kein Tank-Teller-Konflikt: Da KlimaDiesel aus biologischen Abfällen hergestellt wird, kollidiert der Kraftstoff nicht mit Nahrungsmittelanbau und Lebensmittelknappheit. Zudem ist seit 2023 Palmöl nicht mehr als Ausgangsstoff für HVO und andere Kraftstoffe in Deutschland zugelassen.
Von Melanie Jülisch